Multimediale Erlebnisse - Destinationen per App erlebbar machen

Destinationen per App erlebbar machen: Das ist das Geschäftsmodell von Locandy. Das junge Tiroler Unternehmen peppt Natur, Kultur & Co. mit Storytelling auf. Das Erfolgsrezept am Beispiel der Großglockner Hochalpenstraße.

Österreichs höchstgelegen befestigte Passstraße bietet nicht nur atemberaubende Aussichten, sie hat auch eine lange, bewegte Geschichte, die sie ihren Gästen per App erzählt. Die in den Jahren 1930 bis 1935 erbaute Großglockner Hochalpenstraße ist nämlich Bestandteil der Smartphone-App Locandy des gleichnamigen Unternehmens aus Tirol, das es sich zur Mission gemacht hat, touristische Erlebnisse mit zeitgemäßem, multimedialen Storytelling zu begleiten.

Locandy hat mit seiner App einen Trend in das digitale Zeitalter gehoben, der „offline“ schon die längste Zeit besteht. Natur zu inszenieren ist ein zentrales Bestreben vieler Destinationen, trägt dies doch zur Experience des Gastes bei und stärkt ganz nebenbei die eigene Positionierung. Den Anfang machten dabei vor vielen Jahren die Themenwege. Schautafeln und Broschüren begleiteten die Gäste auf ihren Wanderungen. Sie erfuhren so einiges über Flora und Fauna. Mittlerweile gibt es in Österreich über 1.000 Themenwege zu allen erdenklichen Wissensgebieten. Kunst und Kultur, wichtige Persönlichkeiten werden auf unterschiedlichste Weise inszeniert – und das immer öfter multimedial.

Bei Locandy verläuft die Inszenierung – im Gegensatz zum klassischen Audio-Guide – anhand einer Geschichte, die sich entlang des Weges entwickelt. Interaktive Aufgaben und virtuelle Pokale, die man gewinnen kann, komplettieren das Gaming-Erlebnis.

Storytelling meets Gamification

Die Idee, Storytelling mit Gamification in die Destinationen zu bringen und damit Natur auf spielerische Art zu inszenieren, kam Dr. Thomas Katzlberger, Gründer und Mitgesellschafter von Locandy, im Jahr 2011 während einer Waldwanderung im Stubaital. Der ungewöhnliche Blick des Theoretikers auf seine Umgebung verwundert nicht, wenn man weiß, dass Katzlberger Spieltheorie an der Vanderbilt-University in Nashville, Tennessee, unterrichtete. Als Partner holte er sich den Touristiker Michael Ölhafen und den Softwareentwickler Armin Pfurtscheller ins Boot. Gemeinsam gründeten sie Locandy.

„Am Anfang war es schwierig, die Destinationen von unserer Idee zu überzeugen, das Potential unserer Technologie wurde nicht richtig erkannt“, verrät Ölhafen. Mittlerweile hat sich das geändert. „Eine eigenständige App-Entwicklung für die Digitalisierung von Themenwegen ist mit beträchtlichen Entwicklungs- und Wartungskosten verbunden. Locandy dagegen bietet eine digitale Plattform an. Für die Technik entstehen dem Auftraggeber somit keine Kosten. Die Mittel können direkt für die Content-Erstellung genutzt werden, wie für hochqualitative Drehbücher, professionelle Sprecher und ansprechende Illustrationen“, erklärt Ölhafen die Vorzüge von Locandy.

Multimedia am Großglockner

Überzeugt hat das Kozept auch Mag. Patricia Lutz, Kommunikationsleiterin der Großglockner Hochalpenstraßen AG. „Da wir mit den bestehenden Werbemitteln nicht die Möglichkeit hatten, die vielen Geschichten über den Großglockner zu erzählen, kam uns die Idee, einen Multimedia-Guide zu entwickeln. Dass die Hochalpenstraße über keine durchgehende Online-Verbindung verfügte, stellte für andere Anbieter ein Problem dar, nicht aber für die GPS-basierte Locandy-App“, erzählt Lutz.

Für das Projekt wurde ein eigenes Musikset komponiert. Die Besucher können ihr Handy über Bluetooth an die Stereoanlage ihres Autos anschließen, die aufwendig vertonten Geschichten starten automatisch basierend auf der aktuellen GPS-Position. Die Umsetzung erfolgte innerhalb von vier Monaten, seither haben bereits über 2.600 Besucher die Panoramastraße in ihrer interaktivsten Weise erlebt.

Auch Radwege, Weitwander- und Pilgerwege, Museumsführer und Outdoor-Spiele hat Locandy schon digitalisiert. Und immer wieder findet das Unternehmen neue Betätigungsfelder. Aktuell konzentriert man sich auf die multimediale Inszenierung von Skigebieten. Die ersten Anwendungen wurden bereits in einigen Tiroler Skigebieten ausgerollt.

Bulletin 01/2019

Zusammenfassung

Bulletin, 1/2019, Fachmagazin für touristische Praxis

Geschrieben

20.08.2019, 06:46

Lesezeit

2 Minuten

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Artikel, S.41-44
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